Lichtgestaltung im Film

Das Licht hat im Film die Aufgabe, eine Szene auszuleuchten und diese so optisch aufzubessern. Gleichzeitig kann die Lichtsetzung aber auch dramaturgische Gründe haben und eine bestimmte Wirkung erzeugen, wenig Licht in einer dunklen Szene (Low-Key) wirkt düster und mysteriös, vielleicht traurig oder bedrückend, während eine starke Beleuchtung ohne Schatten (High-Key) eine traumhafte, idyllische Wirkung auf den Zuschauer hat.

Grundsätzlich will man mit der Lichtsetzung und -gestaltung kein komplett neues Licht erschaffen. Dies ist meist schon vorhanden, durch die Sonne oder künstliche Beleuchtungen wie Lampen. In diesem Punkt unterscheiden sich allerdings Filme von der optischen Realität. Denn während im Alltag vieles zu dunkel oder zu hell ist, es zu starke Schatten gibt oder das Licht nicht zur Stimmung im Raum passt, wird all dies im Film gezielt kontrolliert und gesteuert, dies erzeugt einen allgemeinen Filmlook.

Fast immer werden Szenen lichttechnisch aufgebessert, allerdings wird stets die Logik mit einbezogen. Denn starke, zusätzliche Lichtquellen sollten ungefähr aus der Richtung der vorhandenen Hauptlichtquelle, z.B. der Sonne kommen, um diese zu verstärken.

Um Licht realistisch zu setzen, wendet man grundlegend die 3-Punkt-Beleuchtung an:

1. Das stärkste und hellste Licht ist das Führungslicht. Es scheint meist schräg von vorne auf das Gesicht des Protagonisten, um dieses aufzuhellen. Das Führungslicht simuliert die vorhandene Hauptlichtquelle, bei Außenaufnahmen die Sonne.

2. Das Aufhelllicht dient dazu, die durch das Führungslicht entstandenen Schatten abzumildern, die durch das Führungslicht entstanden sind. Es wird auf die betroffene Gesichtsseite gesetzt. Außer beim High-Key Effekt sollte das Aufhelllicht niemals so stark sein wie das Führungslicht. Dadurch würden die Schatten vollkommen verschwinden, da Schatten aber natürlich sind, würde eine normal ausgeleuchtete Szene vollkommen ohne Schatten abnormal wirken.

3. Das Spitzlicht wird schräg von hinten auf den Kopf des Protagonisten gesetzt. Dies erzeugt oft einen kleinen Lichtkranz an den Rändern des Kopfes und hebt die Person im Fokus vom Hintergrund ab.

Die typische Form der 3-Punkt-Beleuchtung wird aber auch nicht selten umgeändert oder sogar ganz außer Acht gelassen, nicht zuletzt wegen der Dramaturgie. So können auch Schatten im Vordergrund der 3-Punkt-Beleuchtung stehen und dem Protagonisten eine gewisse Anonymität oder Finsternis verleihen.

Als künstliche Lichtquelle eignen sich beim Film Baustrahler, Lichtwannen oder Scheinwerfer. Diese sind oft sehr hell und eignen sich eher für Innenaufnahmen. Eine häufig gewählte und sich bewährende Variante ist daher der Reflektor, welcher das vorhandene (Sonnen-)Licht lenken kann. Da bei der Größe von Reflektoren kaum Grenzen besetzt sind, können diese genutzt werden, um das Gesicht des Protagonisten oder ganze Kulissen auszuleuchten.

Bewegen sich die Protagonisten, ist es ratsam, entweder die allgemeine Szene, in der sich die Handlung abspielt, zu beleuchten, oder der beleuchteten Person mit dem Licht zu folgen. Dies ist allerdings nicht unbedingt leicht und erfordert einiges an Können und Erfahrung, wenn man es professionell gestalten will.

Bei dem Licht an sich unterscheidet man grundsätzlich zwischen dem Natürlichen Licht und dem Künstlichen Licht. Das Natürliche Licht ist eher bläulich, während das Künstliche Licht gelblich wirkt. Um dies genauer zu bestimmen, gibt man die Farbtemperatur in Kelvin an. Natürliches Licht hat eine Farbtemperatur von etwa 5400 Kelvin, während Künstliches Licht etwa 3200 Kelvin beträgt.

Filmt man also draußen oder drinnen, ist es ratsam die Farbtemperatur bei der Kamera an die gegenwärtige Situation anzupassen. Diese Anpassung nennt man Weißabgleich und kann automatisch, mit Vorlage oder manuell geschehen. Da man beim Film die Kamera stets auf Manuell schalten sollte, kann man im Menü entweder zwischen den Vorlagen (z.B. Tageslicht, Wolken usw.) wählen, oder mithilfe einer Graukarte die Farbtemperatur komplett manuell einstellen. Dies erfolgt, indem man eine spezielle Graukarte oder einfach ein Blatt Papier, bestrahlt von der oder den Lichtquellen abfotographiert und das Foto als Orientierung zum Weißabgleich (WB) einstellt. So wird das Weiß bei der Aufnahme neutral und nicht in Blau- oder Gelbtönen erscheinen.

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